Mit autofreien Zonen gegen Leerstand

Unser Artikel im Amtsblatt Reutlingen, vom 19.06.2026


Im Jahr 2018 haben wir Linken den interfraktionellen Antrag „Autofreie Altstadt“ initiiert. Gemeinsam mit Grünen, SPD, FWV und WIR-Liste fand er eine Mehrheit im Gemeinderat. Bis heute wartet der Beschluss auf Umsetzung durch die Verwaltung. Schon damals war klar, dass eine autofreie Altstadt Beteiligung erfordert. Anwohner, Gewerbetreibende, Gastronomie sowie Menschen mit Behinderungen müssen einbezogen werden.

Weil die Verwaltung diesen Auftrag jahrelang nicht aufgegriffen hat, haben wir weitere Anträge eingebracht. Unser Ziel bleibt eine schrittweise Entwicklung: zunächst Reduzierung des Durchgangsverkehrs und Beschränkung auf Anlieger- und Lieferverkehr, vor allem in der Kanzleistraße, perspektivisch eine weitgehend autofreie Altstadt mit höherer Aufenthaltsqualität.

Wir begrüßen, dass die Grünen-Fraktion das Thema erneut aufgreift. Allerdings verschweigt der GEA im Artikel vom 1. Juni die Initiativen der Linken. Auch im Bericht vom 26. Mai über Leerstand in der Altstadt werden unsere Vorstöße nicht erwähnt.

Der Zusammenhang ist offensichtlich: Dort, wo die Fußgängerzone endet, beginnt der Leerstand. Gerade in der Kanzleistraße zeigt sich, dass die Dominanz des Autoverkehrs die Aufenthaltsqualität mindert. Geschäftsleute und Anwohner fordern seit Jahren mehr Grün, Platz für Menschen und weniger Verkehr.

Bemerkenswert ist, dass wir vor Jahren ein Zweckentfremdungsverbot beantragt haben. Dieser Antrag wurde abgelehnt. Heute erklärt Oberbürgermeister Keck, er würde ein solches Instrument nach Stuttgarter Vorbild am liebsten sofort einführen. Das bestätigt unsere damalige Position. Wertvolle Jahre sind verloren gegangen.

Für uns bleibt klar: Wer Leerstand bekämpfen, die Altstadt beleben und die Lebensqualität erhöhen will, muss den öffentlichen Raum neu denken.